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  heft 14, 2007

  Kassandra Frido   Gate
  Kassandra Frido   o. T.
  Georg Eichinger   Schönheitskorrekturen
  Markus Berger   Sha mat!
  Sina Karim Khani   Die österreichische Deutschlehrerin
  Ruth Loosli   Ah!
  Jürgen Flenker   stoppeln
  René Oberholzer   Maritim
  Andrea Heuser   eine plastiktüte
  Andrea Heuser   wir, 2 hunde
  Andrea Heuser   wir
  Katharina Bendixen   Knochensplitter
  Mahnaz Talebitari   Vogel F
  Mahnaz Talebitari   bleiblich
  Mahnaz Talebitari   Dingfest
  Wolfram Hirche   Blauer Reiter
  Ingrid Gorr   Mittwochs im Wald
  Cornelia Schmerle   Im geschlossenen Raum
  Gerd Berghofer   Zorn gesteht
  Maik Lippert   (S-Bahnhoh Greifswalder)
  Augusta Laar   erotic exercises
  Augusta Laar   lohengrin
  Björn Kuhligk   auf BAADER Holst
  Wanda Schmid   Textfragmente (VII und VIII)
  Karin Fellner   anno siebzehnfünf
  Thomas Losch   Wiener Weihnachtswunder
  Jörg Neugebauer   lebensentwurf
  Jörg Neugebauer   bananas
  Jörg neugebauer   alter klappstuhl
  Gerald Fiebig   odenströphen (motörhead klopstöck)
  Gerald Fiebig   northern soul. italo reboot camp
  Gerald Fiobig   gütersloh essentials
  Satz & Pfeffer   Schoppel im Schopphof
  Rüdiger Gladen   Vom Nachtragen, in Wasser gespuckt und ...
  Anna Hoffmann   ophelia 2006 oder das kindliche Herz im Wandel ...

                (erschienen im Gedichtband "Rote Magie", Corvinus Presse, 2006)

  Martina Weber   küche mit legobaum
  Martina weber   stilleben, unruhig
  Karlheinz Barwasser   Tag, Nacht
  Karlheinz Barwasser   Passover
  Karlheinz Barwasser   Krötenkabinette
  Sabina Lorenz Mehrkomponentenkleber für 3 Stimmen und eine Putzfrau
  Ingrid Zottmann   Blütenblätter ...



 
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heft 14: textauswahl


Kassandra Frido

GATE

asechzehn. zu einem
zopf aus zeit gebändigt: wir –
falten die ein vorhang wirft bevor
die vorstellung beginnt. versonnene

starrer ins jetzt, das, nur vorhut
des später, schwerelos an gewicht
gewinnt. wie

schwacher tee diese

fundstelle zwischen den sekunden.


O. T.

Und doch meine ich es
ist nicht der

Punkt den Schmetterlingen zu haschen den
Melodien zu tänzeln und den Geschmack von

Sonne auf der Zunge zu rollen

sondern den Gipsabdruck der Farben
gilt es zu nehmen und die Töne
in Silber zu gießen und das Licht in

Schach zu halten



Markus Berger

Sha mat!

Revolution erstickt. Le roi est mort: Galgenmännle zur umgeschütteten Nacht. In nuce: ersoffen in fabelhaften Versprechungen! Gestülpt, zermanscht. Quabbel, quabb. / – Nu: Absturz in den Äther; rauf! Mit gestutzten Wangenknochen. Taille oof jeden Fall gefedert, unzweifelhaft. & Trage nicht mit Bahre verwechselt! Idiotensicher ists allemal: Diese fürs Verwundete, jene für: Totes. /
Boing!! Gefäß profitable versetzt; Die Organe gehörn längst nem andern. Caturanga spielt der Inder (maybe: is?) / &: Schach der König (unds war kein Lollo, Wieland!). Unerträchliche Headlines sägen am Frühstückstisch. Schon wieder ists passiert. Nein! Halt mir den Kopp! Is deren prähistorische Klospülung nicht in Ordnung? Hat die Dame another time gewispert? Garantiert! / Die Messe is gelesen; but such a fair isn’t fair – – at all. Immer muss es Mitwisser geben.

Bloomenkinder rüttelns Säckchen, stäuben Flor & Gestängel über Strohköpfe. Die Aktresse kanns nicht sehen / mag nicht! / der Akteur darf nicht. Schande über uns! Aber: Revolution erstickt in perpetuum & nonsympathetisch: monarchische Konnexionen. Eben. //
„Herr Minister: wie ist die Aussicht?“
„S gibt keine!“ –
„A so ...“ – – –

Revolutive Erdenscheibe; abermals geglückt: der christianisierte Missionarskomplex. Encore une fois: King unterlegen, ermattet. Endlich! / Wer wird als nächstes geköpft? Auf Webstühlen karmischer Verlegenheit knüpft bereits (& derweil) neue Existenz an: Imitatione.
#
Versalien postulieren urnales Diminutivum: Oberhäuptchen; enthauptet. Schade! //
Kriecht n schepper Blick übers Schulterblatt. Sticht, äugt, ahnet:
Maitresse is fremdgegangen. Mitm Minister. Ausgeklügelter Schlachtplan; gut, auch fürs nächste Mal.
Ach & O: wär doch bloß die Prinzessin vertrauenswürdig. Mehr hyper denn kata. S hat nicht sollen sein. Schluckt weiter Pep und bleibt im Kämmerle / – Zofen nähn & bringen Dessous der Raffgier. Speists Prinzesschen wohl fett! – – Zur Beisetzung des Exchefs adjungierts Mäjen angenehm Großformatiges. Schnöde Trauer schält sich aus Häuten, hüllt nicht allzu lang sich in Dunkles.
Vom Volke gehts aus. Faden reißt ewiglich keineswegs:
Am Ende bleibt ne ganze Dynastie in Form ner Kohortentötung gekeult. Ab inne Säcke un druff. / So ists / & it seems to be equal – /: –

Das Leben am Hofe.



Rüdiger Gladen

VOM NACHTRAGEN, IN WASSER GESPUCKT UND UMGESCHRIEBEN

wann das nicht in den Blumen
                           im Stein abträgt und Gras zieht nur ihr Ufer
um zu der kleinlichen Ausfarbe
                                            das sehr bewegt
        und verschwunden ist
                      wie wenig Sand im Mund
                  das jetzt zu vermissen gekommen war:
                                wieviel Wasser ist untergegangen
den über den gelben Strich zu schwimmen
                                    und fest an die Tragleinen
               die Blättchen zu legen?

                        am Hangwind schliesst sich mit Licht
wie es verwendet ist und nach vorn
                                   nur betreten kann das an die Ausrisse,
     Fliegensalz verteilt breit ein
                                    und dazu den schnellen Takt
                       in das Restwasser versammelt
                                   über 1 – 7 dass das in Kleinwuchs
wie Pflanzen verborgen ist –
                                   o die Zahl auch der an der Hand
   vergessen und nie abgezählt hat
                                         ist keiner umgesetzt
          weil es nicht verletzt sein darf ...

                                             das zittert da dass ein Loch
in die Falten vergraben ist
                          und wie zu den Wegrand hier
 nimmt der sich blank in der Ohrenhaut angestochen
                                   um der hier kaum der Ton
     im Summen jetzt eingerechnet ist
                           wie es unten noch nach fällt
und so nass dass es müde wird
                                  und weiss um zieht da singt
         am Gesichtsfaden ob er aufgerollt ist
                       mit dem krumm im Augennetz
                                           nach aussen nachgetragen
     und abgelegt in den Auswurf
                     gegen das wo es fliesst ein Satz.


Karlheinz Barwasser

Tag, Nacht

Auch trifft nichts mehr: glatt über
Wände in die Wolken: Kriege
unsichtbar, trotz Elektronik nur
Rauschen. Die Mutter kocht, der
Hund muß nach draußen.

Es soll Regen geben, die Kneipen
füllen sich, ein guter Tag zum
Zeugen, unverbindlich. So weit so
gut: dazu muß gelacht werden, auch
versehentlich getanzt. Abgeschüttelt.

Und blickt einer einem anderen in die
Augen: immer ein Blattschuß, lauter
postmoderne Terroristen. Einmal
quer über die Pinkelrinne und zurück.


Krötenkabinette

I
Mit einem Horn auff dem Haupt / mit einem Aug auff
dem Knie / mit beederley Geschlechtes Schamgliedern.
Einsatz großes Streichorchester! Darunter Kropf, Augen-
quaddel, gegen Natur, gegen Regel? Wunderbuch von
Mißgebuhrten. Verstörtes Erwachen: das Buch. Nächtens
las man von erschröcklicher Geburt an die Welt: auch ein
Hörnchen am Kopf. Doch jeder Aussatz könnte geregelt
werden, gesellschaftlich. In spezielle Kolonien verbannt.
Kann doch. Auffallend blaue Socken genügen, ich, die
schlanke Wunde. Wundergebuhrt, pur feindseliger Blick.

II
Im Wasser! Leiche, das Monstrum schlechthin: zugleich
Ding und bestimmter Mensch. Knallrot ein Pullover im
Wasser. »Ein stechender Geruch«, spricht der Segelclub-
Sportwart. »Stark entstellt«, der Vize, »und auch noch
an den Füßen gefesselt.« Anstelle des Geheuren. Beim
Suchen nach dem roten Fähnchen ihres Bootes, diese
Person also. Sonst: Shirt und Slip, makellose Zähne. Das
normal, ja. Beine, Beine. Verschwommen rot, kein Blick.

III
O, der kluge Martin! Ackerbau in Form der »motorisierten
Ernährungsindustrie« ist doch »wie die Fabrikation von
Leichen in Gaskammern«. Ja, der Heidegger! Und die
Toten müssen erst zum Verschwinden genötigt werden.
Sonst bleiben die noch! Welche Zumutung erschröcklicher
Geburt an die Welt. Welche Zumutung von Aufmerksamkeit!

IV
Gewürgt, gestochen, gefräst, durchtrennt: Mona und
Kula, auch Senta, die ganze zweite Sektion: betäubt,
beatmet, fixiert. Schwester, die Stahlschrauben! Schweiß-
tupfer! Dentalzement, die schlauen Köpfchen flutschen zu
sehr! Sondierpipette, die Dinger biestern: geöffnet und
gemessen im Stundentakt. Bunka liebt nur die grünen
Katheter, wenn der Luftröhrenschnitt kitzelt, husten wir
das schön ab! Und Augen, Blick geheftet. Schwester,
verbinden! Dann mein Warsteiner! Und dem Mizzi die
Glitzertropfen: erstrahlen den Blickwinkel und stärken die
Nieren, wenn sie ins Freie prasseln. Alles elektrisch, gespürt
rein nichts, auch weiteres Schicksal erspart: sitzen in der
Pathologie, reiten aufs Messer: gelbflüssig. Die Nerven.


Passover

Nicht weitersagen, was zu sehen ist, bleibt
der Körper. Übend den Schein, gebeugt, der
Arm zum Zwang, doppelt gebeugt: weiter in
Geduld. Wir Tiere unter anderen Tieren, eines
fällt als Laterne, eines als Lüster, strahlend
noch (neben Mazzen, Bitterkraut, Eiern und
Wein) der Knochen und Lehm und auch die
Hemden gestärkt, gebügelt. Wir finden uns
lebendig, das nützt der Scham: abgeleuchtet,
knietief gebeugt. Abglanz, sieben Tage, ganz
kranke Not. Nur was sich öffnet, bleibt Kontur.


Wanda Schmid

Textfragmente

VII
Aber die Sehnsucht ist angeschirrt, die Hufe unruhig und viel Angst alleine zu sein.

Und eine Vogelwolke fällt und steigt – Träume sind an keine Jahreszeit gebunden.

Und da ist eine Zärtlichkeit und eine Flaumflocke auf einer Wange.
Ein Luftstüber. Ein Fingerflug leicht aufgesetzt.
Und da ist ein Staunen und ein Verblüfftsein – und ein fortlaufendes Staunen.
Und da ist die Vollkommenheit des Kiesels.

Und da ist das Amselauge. Und im Innern Erinnerungen – schichten, stapeln, umbetten, umschichten, verdichten, lichten, sichten.


VIII
Pfauenrad und Spinngewebe — das Erschrecken fährt ihr in die Schläfen. Ihr Kopf im Schraubstock — sie nennt es Migräne.

Ein Mähdrescher drischt und die Zauberlehrlinge sind überfordert – keiner will mehr Wasser tragen, schon gar nicht sonntags.
Werktags ist sie mit Blut beschäftig, sie bestimmt Rheumafaktoren und ihr Chef erforscht den Rheumatismus bei der Hausziege. Sie bläst durch Pipetten und drückt auf Knöpfe und stellt die Zentrifuge an. Sie blickt durch Uhrschalen und starrt auf flockige und milchigtrübe Pfützen. Jede Woche eine Schachtel mit Mäusen – alle weiß und tot.
Am Sonntag besteht die Gefahr zu verstummen. Blutleere. Routine hilft, der Griff zur Zigarette. Sie beruhigt sich allmählich, sehr gemächlich geht sie aus dem Zimmer. Treppen steigen und lächeln, weil jetzt ein Lächeln zwischen der dritten und vierten Stufe eine kurze Heiterkeit vortäuscht und dann die Zähne putzen – so manierlich freilich sieht sie im Spiegel nicht aus. Wen soll sie sonst konsultieren? Alle andern sind bestechlich.
Jetzt zeigt sie die Zähne. Das wird kein Lächeln – eher ein fauchendes Grinsen.
Sie hört ihre eigenen Schritte, sie hört gut und spricht nicht. Die Schritte sind regelmäßig gesetzt, da ist sie ordentlich. Sie hustet und freut sich nur kurz. Sie ist wieder im Zimmer.
Alle ihre Finger liegen jetzt flach auf der Fensterscheibe – auch die Handteller liegen da, denn wo Finger sind, sind auch Handteller, das gehört sich so. Die zehn Finger gerecht auf zwei Handteller aufgeteilt. Symmetrie wäre das gewesen, wenn die Daumen nicht so autonom abstehen würden. Unter den Handtellern sammeln sich kleine Schweißtropfen. Auch die Stirn liegt auf dem Fenster und kühlt sich ab. Ihre Augen sind fest auf die Straße gerichtet. Schneegestöber stellen sie fest und parkierte Autos und niemanden sonst.
Nun legt sie die linke Wange auf die Scheibe und atmet weiter. Die Autos kann sie nun nicht mehr sehen, nur das Schneegestöber. Dann ist die rechte Wange an der Reihe - eine dritte hat sie nicht.
Sie ist sie. Heute und schon einige Jahre.
Die rechte Wange klebt am Fenster. Mit den Händen stößt sie ab und fast wäre sie in ihre Quadratmeter gefallen. Fettflecken auf der Scheibe – die Kartographie ihrer Wangen übereinandergelegt – fast unsichtbar, jedoch da. Handteller mit Fingern – Palme auf Glas und die Stirn mondförmig abgedruckt.
Wo immer sie ist, sie hinterlässt Spuren.

Auch ein Sonntag mit viel Scheibe und Schneegestöber endet.


Ingrid Zottmann

Blütenblätter
weiß-rose

fremd

auf dem Blech
der Autos

Sie spielen
Frühlingshauch

Die Sonne
brennt sie ein

waschstraßenresistent




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