Kassandra Frido Gate
Kassandra Frido o. T.
Georg Eichinger Schönheitskorrekturen
Markus Berger Sha mat!
Sina Karim Khani Die österreichische Deutschlehrerin
Ruth Loosli Ah!
Jürgen Flenker stoppeln
René Oberholzer Maritim
Andrea Heuser eine plastiktüte
Andrea Heuser wir, 2 hunde
Andrea Heuser wir
Katharina Bendixen Knochensplitter
Mahnaz Talebitari Vogel F
Mahnaz Talebitari bleiblich
Mahnaz Talebitari Dingfest
Wolfram Hirche Blauer Reiter
Ingrid Gorr Mittwochs im Wald
Cornelia Schmerle Im geschlossenen Raum
Gerd Berghofer Zorn gesteht
Maik Lippert (S-Bahnhoh Greifswalder)
Augusta Laar erotic exercises
Augusta Laar lohengrin
Björn Kuhligk auf BAADER Holst
Wanda Schmid Textfragmente (VII und VIII)
Karin Fellner anno siebzehnfünf
Thomas Losch Wiener Weihnachtswunder
Jörg Neugebauer lebensentwurf
Jörg Neugebauer bananas
Jörg neugebauer alter klappstuhl
Gerald Fiebig odenströphen (motörhead klopstöck)
Gerald Fiebig northern soul. italo reboot camp
Gerald Fiobig gütersloh essentials
Satz & Pfeffer Schoppel im Schopphof
Rüdiger Gladen Vom Nachtragen, in Wasser gespuckt und ...
Anna Hoffmann ophelia 2006 oder das kindliche Herz im Wandel ...
(erschienen im Gedichtband "Rote Magie", Corvinus Presse, 2006)
Martina Weber küche mit legobaum
Martina weber stilleben, unruhig
Karlheinz Barwasser Tag, Nacht
Karlheinz Barwasser Passover
Karlheinz Barwasser Krötenkabinette
Sabina Lorenz Mehrkomponentenkleber für 3 Stimmen und eine Putzfrau
Ingrid Zottmann Blütenblätter ...
heft 14: textauswahl
Kassandra Frido
GATE
asechzehn. zu einem
zopf aus zeit gebändigt: wir –
falten die ein vorhang wirft bevor
die vorstellung beginnt. versonnene
starrer ins jetzt, das, nur vorhut
des später, schwerelos an gewicht
gewinnt. wie
schwacher tee diese
fundstelle zwischen den sekunden.
O. T.
Und doch meine ich es
ist nicht der
Punkt den Schmetterlingen zu haschen den
Melodien zu tänzeln und den Geschmack von
Sonne auf der Zunge zu rollen
sondern den Gipsabdruck der Farben
gilt es zu nehmen und die Töne
in Silber zu gießen und das Licht in
Schach zu halten
Markus Berger
Sha mat!
Revolution erstickt. Le roi est mort: Galgenmännle zur umgeschütteten Nacht. In nuce:
ersoffen in fabelhaften Versprechungen! Gestülpt, zermanscht. Quabbel, quabb. / – Nu:
Absturz in den Äther; rauf! Mit gestutzten Wangenknochen. Taille oof jeden Fall gefedert,
unzweifelhaft. & Trage nicht mit Bahre verwechselt! Idiotensicher ists allemal:
Diese fürs Verwundete, jene für: Totes. /
Boing!! Gefäß profitable versetzt; Die Organe gehörn längst nem andern. Caturanga
spielt der Inder (maybe: is?) / &: Schach der König (unds war kein Lollo, Wieland!).
Unerträchliche Headlines sägen am Frühstückstisch. Schon wieder ists passiert. Nein!
Halt mir den Kopp! Is deren prähistorische Klospülung nicht in Ordnung? Hat die
Dame another time gewispert? Garantiert! / Die Messe is gelesen; but such a fair isn’t
fair – – at all. Immer muss es Mitwisser geben.
Bloomenkinder rüttelns Säckchen, stäuben Flor & Gestängel über Strohköpfe. Die
Aktresse kanns nicht sehen / mag nicht! / der Akteur darf nicht. Schande über uns!
Aber: Revolution erstickt in perpetuum & nonsympathetisch: monarchische
Konnexionen. Eben. //
„Herr Minister: wie ist die Aussicht?“
„S gibt keine!“ –
„A so ...“ – – –
Revolutive Erdenscheibe; abermals geglückt: der christianisierte Missionarskomplex.
Encore une fois: King unterlegen, ermattet. Endlich! / Wer wird als nächstes geköpft?
Auf Webstühlen karmischer Verlegenheit knüpft bereits (& derweil) neue Existenz an:
Imitatione.
#
Versalien postulieren urnales Diminutivum: Oberhäuptchen; enthauptet. Schade! //
Kriecht n schepper Blick übers Schulterblatt. Sticht, äugt, ahnet:
Maitresse is fremdgegangen. Mitm Minister. Ausgeklügelter Schlachtplan; gut, auch fürs nächste Mal.
Ach & O: wär doch bloß die Prinzessin vertrauenswürdig. Mehr hyper denn kata. S hat
nicht sollen sein. Schluckt weiter Pep und bleibt im Kämmerle / – Zofen nähn & bringen
Dessous der Raffgier. Speists Prinzesschen wohl fett! – – Zur Beisetzung des Exchefs
adjungierts Mäjen angenehm Großformatiges. Schnöde Trauer schält sich aus Häuten,
hüllt nicht allzu lang sich in Dunkles.
Vom Volke gehts aus. Faden reißt ewiglich keineswegs:
Am Ende bleibt ne ganze Dynastie in Form ner Kohortentötung gekeult. Ab inne Säcke
un druff. / So ists / & it seems to be equal – /: –
Das Leben am Hofe.
Rüdiger Gladen
VOM NACHTRAGEN, IN WASSER GESPUCKT UND UMGESCHRIEBEN
wann das nicht in den Blumen
im Stein abträgt und Gras zieht nur ihr Ufer
um zu der kleinlichen Ausfarbe
das sehr bewegt
und verschwunden ist
wie wenig Sand im Mund
das jetzt zu vermissen gekommen war:
wieviel Wasser ist untergegangen
den über den gelben Strich zu schwimmen
und fest an die Tragleinen
die Blättchen zu legen?
am Hangwind schliesst sich mit Licht
wie es verwendet ist und nach vorn
nur betreten kann das an die Ausrisse,
Fliegensalz verteilt breit ein
und dazu den schnellen Takt
in das Restwasser versammelt
über 1 – 7 dass das in Kleinwuchs
wie Pflanzen verborgen ist –
o die Zahl auch der an der Hand
vergessen und nie abgezählt hat
ist keiner umgesetzt
weil es nicht verletzt sein darf ...
das zittert da dass ein Loch
in die Falten vergraben ist
und wie zu den Wegrand hier
nimmt der sich blank in der Ohrenhaut angestochen
um der hier kaum der Ton
im Summen jetzt eingerechnet ist
wie es unten noch nach fällt
und so nass dass es müde wird
und weiss um zieht da singt
am Gesichtsfaden ob er aufgerollt ist
mit dem krumm im Augennetz
nach aussen nachgetragen
und abgelegt in den Auswurf
gegen das wo es fliesst ein Satz.
Karlheinz Barwasser
Tag, Nacht
Auch trifft nichts mehr: glatt über
Wände in die Wolken: Kriege
unsichtbar, trotz Elektronik nur
Rauschen. Die Mutter kocht, der
Hund muß nach draußen.
Es soll Regen geben, die Kneipen
füllen sich, ein guter Tag zum
Zeugen, unverbindlich. So weit so
gut: dazu muß gelacht werden, auch
versehentlich getanzt. Abgeschüttelt.
Und blickt einer einem anderen in die
Augen: immer ein Blattschuß, lauter
postmoderne Terroristen. Einmal
quer über die Pinkelrinne und zurück.
Krötenkabinette
I
Mit einem Horn auff dem Haupt / mit einem Aug auff
dem Knie / mit beederley Geschlechtes Schamgliedern.
Einsatz großes Streichorchester! Darunter Kropf, Augen-
quaddel, gegen Natur, gegen Regel? Wunderbuch von
Mißgebuhrten. Verstörtes Erwachen: das Buch. Nächtens
las man von erschröcklicher Geburt an die Welt: auch ein
Hörnchen am Kopf. Doch jeder Aussatz könnte geregelt
werden, gesellschaftlich. In spezielle Kolonien verbannt.
Kann doch. Auffallend blaue Socken genügen, ich, die
schlanke Wunde. Wundergebuhrt, pur feindseliger Blick.
II
Im Wasser! Leiche, das Monstrum schlechthin: zugleich
Ding und bestimmter Mensch. Knallrot ein Pullover im
Wasser. »Ein stechender Geruch«, spricht der Segelclub-
Sportwart. »Stark entstellt«, der Vize, »und auch noch
an den Füßen gefesselt.« Anstelle des Geheuren. Beim
Suchen nach dem roten Fähnchen ihres Bootes, diese
Person also. Sonst: Shirt und Slip, makellose Zähne. Das
normal, ja. Beine, Beine. Verschwommen rot, kein Blick.
III
O, der kluge Martin! Ackerbau in Form der »motorisierten
Ernährungsindustrie« ist doch »wie die Fabrikation von
Leichen in Gaskammern«. Ja, der Heidegger! Und die
Toten müssen erst zum Verschwinden genötigt werden.
Sonst bleiben die noch! Welche Zumutung erschröcklicher
Geburt an die Welt. Welche Zumutung von Aufmerksamkeit!
IV
Gewürgt, gestochen, gefräst, durchtrennt: Mona und
Kula, auch Senta, die ganze zweite Sektion: betäubt,
beatmet, fixiert. Schwester, die Stahlschrauben! Schweiß-
tupfer! Dentalzement, die schlauen Köpfchen flutschen zu
sehr! Sondierpipette, die Dinger biestern: geöffnet und
gemessen im Stundentakt. Bunka liebt nur die grünen
Katheter, wenn der Luftröhrenschnitt kitzelt, husten wir
das schön ab! Und Augen, Blick geheftet. Schwester,
verbinden! Dann mein Warsteiner! Und dem Mizzi die
Glitzertropfen: erstrahlen den Blickwinkel und stärken die
Nieren, wenn sie ins Freie prasseln. Alles elektrisch, gespürt
rein nichts, auch weiteres Schicksal erspart: sitzen in der
Pathologie, reiten aufs Messer: gelbflüssig. Die Nerven.
Passover
Nicht weitersagen, was zu sehen ist, bleibt
der Körper. Übend den Schein, gebeugt, der
Arm zum Zwang, doppelt gebeugt: weiter in
Geduld. Wir Tiere unter anderen Tieren, eines
fällt als Laterne, eines als Lüster, strahlend
noch (neben Mazzen, Bitterkraut, Eiern und
Wein) der Knochen und Lehm und auch die
Hemden gestärkt, gebügelt. Wir finden uns
lebendig, das nützt der Scham: abgeleuchtet,
knietief gebeugt. Abglanz, sieben Tage, ganz
kranke Not. Nur was sich öffnet, bleibt Kontur.
Wanda Schmid
Textfragmente
VII
Aber die Sehnsucht ist angeschirrt, die Hufe unruhig und viel Angst alleine zu sein.
Und eine Vogelwolke fällt und steigt – Träume sind an keine Jahreszeit gebunden.
Und da ist eine Zärtlichkeit und eine Flaumflocke auf einer Wange.
Ein Luftstüber. Ein Fingerflug leicht aufgesetzt.
Und da ist ein Staunen und ein Verblüfftsein – und ein fortlaufendes Staunen.
Und da ist die Vollkommenheit des Kiesels.
Und da ist das Amselauge. Und im Innern Erinnerungen – schichten, stapeln, umbetten, umschichten, verdichten,
lichten, sichten.
VIII
Pfauenrad und Spinngewebe — das Erschrecken fährt ihr in die Schläfen. Ihr Kopf im Schraubstock — sie nennt es
Migräne.
Ein Mähdrescher drischt und die Zauberlehrlinge sind überfordert – keiner will mehr Wasser tragen, schon gar
nicht sonntags.
Werktags ist sie mit Blut beschäftig, sie bestimmt Rheumafaktoren und ihr Chef erforscht den Rheumatismus bei
der Hausziege. Sie bläst durch Pipetten und drückt auf Knöpfe und stellt die Zentrifuge an. Sie blickt durch
Uhrschalen und starrt auf flockige und milchigtrübe Pfützen. Jede Woche eine Schachtel mit Mäusen –
alle weiß und tot.
Am Sonntag besteht die Gefahr zu verstummen. Blutleere. Routine hilft, der Griff zur Zigarette. Sie beruhigt
sich allmählich, sehr gemächlich geht sie aus dem Zimmer. Treppen steigen und lächeln, weil jetzt ein Lächeln
zwischen der dritten und vierten Stufe eine kurze Heiterkeit vortäuscht und dann die Zähne putzen – so
manierlich freilich sieht sie im Spiegel nicht aus. Wen soll sie sonst konsultieren? Alle andern sind bestechlich.
Jetzt zeigt sie die Zähne. Das wird kein Lächeln – eher ein fauchendes Grinsen.
Sie hört ihre eigenen Schritte, sie hört gut und spricht nicht. Die Schritte sind regelmäßig gesetzt, da ist
sie ordentlich. Sie hustet und freut sich nur kurz. Sie ist wieder im Zimmer.
Alle ihre Finger liegen jetzt flach auf der Fensterscheibe – auch die Handteller liegen da, denn wo Finger
sind, sind auch Handteller, das gehört sich so. Die zehn Finger gerecht auf zwei Handteller aufgeteilt.
Symmetrie wäre das gewesen, wenn die Daumen nicht so autonom abstehen würden. Unter den Handtellern sammeln
sich kleine Schweißtropfen. Auch die Stirn liegt auf dem Fenster und kühlt sich ab. Ihre Augen sind fest auf
die Straße gerichtet. Schneegestöber stellen sie fest und parkierte Autos und niemanden sonst.
Nun legt sie die linke Wange auf die Scheibe und atmet weiter. Die Autos kann sie nun nicht mehr sehen, nur
das Schneegestöber. Dann ist die rechte Wange an der Reihe - eine dritte hat sie nicht.
Sie ist sie. Heute und schon einige Jahre.
Die rechte Wange klebt am Fenster. Mit den Händen stößt sie ab und fast wäre sie in ihre Quadratmeter
gefallen. Fettflecken auf der Scheibe – die Kartographie ihrer Wangen übereinandergelegt – fast unsichtbar,
jedoch da. Handteller mit Fingern – Palme auf Glas und die Stirn mondförmig abgedruckt.
Wo immer sie ist, sie hinterlässt Spuren.
Auch ein Sonntag mit viel Scheibe und Schneegestöber endet.
Ingrid Zottmann
Blütenblätter
weiß-rose
fremd
auf dem Blech
der Autos
Sie spielen
Frühlingshauch
Die Sonne
brennt sie ein
waschstraßenresistent